Metherstellung aus dem unveröffentlichten Roman "Der Gürtel"

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Nach erfolgreicher Jagd kamen alle Dorfbewohner im Versammlungshaus zusammen. Ardeg und Karn setzten sich rechts und links von Karzü, die sich ziemlich unwohl fühlte. Alle schauten sie an, was die Sache nicht besser machte. Nach einer Weile beendete Karn das Schweigen und reichte ihr ein Horn mit Met: "Probier, den Kastanienhonigmet. Schmeckt er dir oder was würdest du bei der Herstellung ändern?" Er nahm ebenfalls ein Trinkhorn in die Hand, prostete Karzü zu und beide tranken aus. "Und? Hat er dir geschmeckt?"
"Etwas ungewohnt. Mir ist er zu herb. Trotzdem vielen Dank. Ich würde ihn mit Wasser verdünnen oder Früchte hinzufügen", antwortete Karzü.
"Wie stellst du Met her? Erzähl mal".
Karzü wunderte sich über die Frage: "Na ja, zuerst kümmere ich mich um ein passendes Gefäß. Dazu fälle ich einen Baum, vielleicht eine Kastanie oder Buche mit einem Durchmesser von einer Armlänge, ohne Rinde." "Warum so groß?", fragte Karn.
"Da muss was reinpassen, bei eurem Durst würde sich der Aufwand sonst nicht lohnen."
Ardeg lachte: "Da hast du Recht. Weiter: Was machst du, wenn der Baum vor dir liegt?"
"Ich schlage ein Stück heraus, das so hoch ist wie ein Kind nach dem Zahnwechsel und höhle es aus. Dann fülle ich den Behälter zur Hälfte mit einer Mischung aus Honig und zerkleinerten Äpfeln oder Birnen, am besten ohne Gehäuse. Das Ganze zerstampfe ich mit einem Holzmörser und gebe drei Krüge Apfelsaft und eine Handvoll zerkleinerte Eichenrinde dazu. Danach fülle ich den Behälter mit Wasser auf. Anschließend kommt ein warmer Stein hinein. Wenn nötig tausch ich ihn gegen einen Neuen aus, solange, bis die Mischung handwarm ist. Zum Schluss bedecke ich das Gefäß mit einem dünnen Ledertuch. Das Tuch binde ich mit einer Kordel fest und streue Salz und Asche drauf. Dann decke ich den Behälter mit frischen Blättern, Laub und einer Schicht Lehm ab. Nun muss ich ein- bis zweimal am Tag kontrollieren, das bedeutet, den Hügel öffnen, das Tuch abnehmen, kräftig umrühren und prüfen, ob die Temperatur stimmt. Wenn nötig, grabe ich einen Schacht unter den Lehmhügel, in den ich heiße Steine schiebe. Das ist vor allem im Winter unabdingbar. Die Mischung muss stets lauwarm sein. Nach 20 bis 25 Tagen ist der Met fertig und ich kann ihn in kleinere Gefäße umfüllen. Dazu benutze ich eine Schöpfkelle und ein Sieb aus frischen Birkenzweigen und Salbei."

"Das hast du prima erklärt." Elly grinste süffisant und unterhielt sich anschließend mit Selwéka. Auch die anderen kümmerten sich nicht länger um Karzü. Diese wartete nervös auf das, was kommen sollte.

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